Ich habe mich entschlossen diese Zitate auf meinen Blog zu stellen, weil ich die Meinung, die/der AutorIN als erwähnenswert empfinde oder/und einfach bekannt machen möchte und nicht weil ich den/diejenigE(n) zu einem Mythos oder zu einem Helden machen will. Ich bin gegen jegliche Vergötterung von Menschen, weil ich finde, dass die meisten Menschen dazu neigen, die einfache Tatsache zu vergessen, dass es auch nur Menschen, und keine Übermenschen sind, die diese Worte gesprochen haben. Oft wird einfach darauf vergessen, auch die Aussagen von "berühmten" Personen zu hinterfragen, eben nur weil sie an jeder Klowand stehen.

Alle Zitate sind auch im Buch "Sei kein Idiot" von Fernando Savater zu finden.

Etienne de la Boétie - Von der freiwilligen Knechtschaft

"Diesmal möchte ich nur erklären, wie es geschehen kann, dass so viele Menschen, so viele Dörfer, Städte, und Völker manches Mal einen einzigen Tyrannen erdulden, der nicht mehr Macht hat, als sie ihm verleihen, der ihnen nur so weit zu schaden vermag, als sie es zu dulden bereit sind, der ihnen nichts Übles zufügen könnte, wenn sie es nicht lieber erlitten, als sich ihm zu widersetzen. Seltsam gewiss und doch so gewöhnlich: Beklagen muss man es vielmehr als sich wundern, wenn eine Million Menschen in elender Knechtschaft zu sehen, den Hals unter dem Joch, und nicht durch eine stärkere Gewalt bezwungen, sondern, wie es scheint, irgendwie verzaubert und behext allein durch den Namen des Einen, dessen Macht sie nicht zu fürchten brauchen."

Pierre Joseph Proudhon - Idée générale de la revolution au XIXe siécle

"Regiert zu werden bedeutet, überwacht, kontrolliert, ausspioniert, gelenkt zu werden, Gesetze aufgezwungen zu bekommen, reglementiert, engeordnet, belehrt zu werden, Strafpredigten zu erhalten, mit Steuern belegt, geschätzt, bewertet, gezählt zu werden, Befehle zu erhalten - das alles von Wesen, die weder Befähigung noch Wissen noch Tugend besitzen. Regiert zu werden bedeutet, bei jeder Handlung eingetragen, registriert, patentiert, zensiert, tarifiert, abgestempelt, bewertet, eingestuft,autorisiert, ermahnt, im Zaum gehalten, umgestaltet, verbessert, korrigiert zu werden. Es bedeutet unter dem Vorwand des öffentlichen Nutzens und im Name der allgemeinen Interesse, mit Steuern belegt, verwaltet, geschröpft, ausgebeutet, in Anspruch genommen, ausgeplündert, getäuscht, beraubt zu werden, dann, beim geringsten Widerstand, beim ersten Widerstand, beim ersten Wort der Klage, unterdrückt, bestraft, verleumdet, drangsaliert, verfolgt, misshandelt, verprügelt, wehrlos gemacht, geknebelt, eingekerkert, standrechtlich erschossen, niedergestochen, verurteilt, bestraft, deportiert, geopfert, verkauft, verraten und zu alledem noch ausgelacht, lächerlich gemacht, beschimpft und entehrt zu werden. Das ist die Regierung, das ist ihre Moral, das ist ihre Gerechtigkeit!"

Marvin Harris - Kannibalen und Könige

"An der Entstehung ursprünglicher Staaten scheint mir der bemerkenswerteste Umstand der zu sein, dass sie als Resultat eines unbewussten Prozesses erfolgte: Die Mitwirkenden dieser enormen Umwandlung scheinen nicht gewusst zu haben, was sie da schufen. Durch unmerkliche Verlagerungen im Umverteilungsgleichgewicht von Generation zu Generation hat sich die Spezies Mensch in eine Form sozialen Lebens eingebunden, in der die Vielen sich selbst herabsetzten, um die Wenigen zu erhöhen."

Hannah Arendt - Vita Activa oder Vom tätigen Leben

"Die Polis unterschied sich von dem Haushaltsbereich darin, dass es in ihr nur Gleiche gab, während die Haushaltsordnung auf Ungleichheit geradezu beruhte (...) Diese Gleichheit innerhalb der Polis hat sicher sehr wenig mit unserer Vorstellung von Egalität gemein; sie bedeutete, dass man es nur mit seinesgleichen zu tun hatte, und setzte so die Existenz von 'Ungleichen' als selbstverständlich voraus. wie denn ja auch diese 'Ungleichen' stets die Mehrheit der Bevölkerung in den Stadt-Staaten gebildet haben. Gleichheit, die in der Neuzeit immer eine Forderung der Gerechtigkeit war, bildete in der Antike umgekehrt das eigentliche Wesen der Freiheit: Frei sein hieß, frei zu sein von der allen Herrschaftsverhältnissen innewohnenden Ungleichheit, sich in einem Raum zu bewegen, in dem es weder Herrschen noch Beherrschtwerden gab."

George Santayana - Dominations and Powers

"Das Individuum kritisiert die Gesellschaft, aber die Gesellschaft hat das Individuum hervorgebracht. Dieses Konträre - denn man kann es nicht kontradiktorisch nennen - verursacht unzählige Konflikte. Die Gesellschaft - genauer gesagt , diese üblicherweise dominierenden Personen, die in ihrem Namen reden - denkt, dass der Einzelne nur dazu existiert, um ihr zu dienen. Aber:..Was für eine monströse Sache ist es, alle lebenden Teile zu opfern, damit das mechanische Ganze, dem wir einen Namen gegeben haben, seinem blinden Lauf folgen kann?"

Giovanni Sartori

"Heutzutage gibt es Leute, die die Entdeckung des Individuums und seines Wertes gering schätzen und den Begriff 'Individualismus' in derogativem Sinn benutzen. Vielleicht ist ein Übermaß an Individualismus negativ, und sicher kann sich der Individualismus in entarteten Formen negativ manifestieren. Aber wenn wir ein Gleichgewicht herbeiführen wollen, darf uns nicht entgehen, dass die Welt dem Individuum in einer erbarmungslosen, unmenschlichen Welt, in der das Töten so normal ist wie das Sterben, keinen Wert beimisst. So war es für die Alten, aber für uns ist es nicht mehr so. Für uns ist Töten etwas Schlechtes, weil das Leben jedes Einzelnen zählt, einen Wert besitzt, heilig ist. Und es ist dieser Glaube an den Wert, der uns zu Menschen macht, der uns die Grausamkeit der Alten und der heutigen nicht individualistischen Gesellschaft ablehnen lässt."

Gabriel Jackson

"Eine der lebendigsten Erinnerungen meiner Kindheit ist die Radioübertragung des zweiten Boxkampfes zwischen dem schwarzen Nordamerikaner Joe Louis und dem deutschen Schwergewicht Max Schmeling. Schmeling hatte Louis im ersten Kampf k.o geschlagen und die Nazipresse redete begeistert von der angeborenen Überlegenheit der weißen Rasse. Im Rückkampf schlug Louis in der ersten Runde Schmeling k.o, wenn ich mich richtig erinnere. Der Ringrichter hielt das Mikrofon vor den Sieger und fragte bewegt: 'Also, Joe, bist du heute Abend stolz auf deine Rasse?' Darauf antwortete Louis mit einem Südstaatenakzent: 'Klar, ich bin stolz auf meine Rasse, die menschliche Rasse.' "

Ernest Gellner - Nationalismus und Moderne

"Es gibt sehr viel potenzielle Nationen auf der Welt. Unser Planet hat auch durchaus Platz für eine bestimmte Zahl unabhängiger selbständiger politischer Einheiten. Nach jeder vernünftigen Berechnung ist nun die erste Zahl (die der potentiellen Nationen) vermutlich viel, viel größer als die zweite (die der möglichen Staaten). Wenn dieses Argument oder diese Berechnung stimmt, dann können nicht alle Nationalismen befriedigt werden, jedenfalls nicht zur selben Zeit. Die Befriedigung einiger impliziert die Enttäuschung für andere. (...) Tatsächlich sind Nationen wie Staaten historische Phänomene und keine universelle Notwendigkeit. Weder Nationen noch Staaten existieren zu allen Zeiten und unter allen Umständen. Darüber hinaus sind Nationen und Staaten nicht dasselbe Phänomen. Dem Nationalismus zufolge sind beide füreinander bestimmt; jedes sei unvollständig ohne das andere und stelle für sich allein eine Tragödie dar. Aber bevor sie füreinander bestimmt sein konnten, musste jedes der beiden entstehen, und ihr Entstehen war unabhängig voneinander und zufällig. Der Staat ist mit Sicherheit ohne Hilfe der Nation entstanden. Es ist der Nationalismus, der die Nationen bewegt, und nicht umgekehrt."

John Burnheim - Über Demokratie

"Es ist eine verhängnisvolle Illusion zu glauben, die Demokratie könnte, durch die sogenannte demokratische Kontrolle des Staates gesichert werden. Der Staat selbst kann nicht demokratisch kontrolliert werden. Wenn man Demokratie will, muss man den Staat abschaffen."

Jean- Jacques Rosseau - Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit

"Der Erste, welcher ein Stück Land umzäunte, sich in den Sinn kommen ließ zu sagen: 'Dieses ist mein' , und einfältige Leute antraf, die es ihm glaubten, der war der wahre Stifter der bürgerlichen Gesellschaft. Wie Viel laster, wie viel Krieg, wie viel Mord, Elend, Gräuel hätte einer nicht verhüten und verhindern können, der die Pfähle ausgerissen, den Graben verschüttet und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: 'Glaubt diesem Betrüger nicht; ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass die Früchte euch allen, der Boden aber niemanden gehört.' "

Marvin Harris - Wie wir wurden, was wir sind

"Wer das menschliche Leben kurz nach dem kulturellen Druchbruch beobachtet hätte, wäre unschwer zu dem Schluss gelangt, die menschliche Spezies habe, außer in Bezug auf geschlechts- und altersspezifische Differenzierungen, einen unausrottbaren Hang zum Egalitarismus. Dass später einmal die Welt in Adlige und Gemeine, Herren und Sklaven, Milliardäre und obdachlose Bettler zerfallen würde, hätte damals in völligem Widerspruch zur menschlichen Natur geschienen, wie sie sich in den Verhältnissen jeder menschlichen Gesellschaft kundtat."

Jacques Attali - Millenium

"Der Wert der Dinge war nicht mehr das Maß für das Leben, derer, die sie angefertigt hatten, oder für die Macht jener, die sie besaßen. Stattdessen stand das Geld für die Dinge. Es ermöglichte, dass weit mehr Gegenstände über größere Entfernungen gehandelt werden konnten und Reichtum unter besseren Bedingungen zu schaffen war als je zuvor. Die Gegenstände konnten in Umlauf sein, ohne dass das Leben derer, die mit ihnen handelten, Gefahren ausgesetzt war. Geld, gemeinhin auch als Markt oder Kapitalismus bekannt (alles Bezeichnungen für unlösbar miteinander verbundene Konzepte) setzte sich als radikal neue Möglichkeit durch, Gewalt zu steuern, weil es den älteren Ordnungen des Heiligen und der Stärke überlegen war."

Bertrand Russell - Dictionary of Mind, Matter and Morals

"Das einzige entscheidende Heilmittel gegen den Krieg besteht in der Schaffung eines weltumfassenden oder Überstaates, der stark genug ist, mit Hilfe des Gesetzes alle internationalen Konflikte beizulegen. Ein solcher weltumfassender Staat ist nur dann denkbar, wenn alle Teile der Welt so eng miteinander verbunden sind, dass es keinem von ihnen gleichgültig sein kann, was in den anderen passiert."

Joschka Fischer

"Wer keine Ahnung hat, hat keine Meinung."

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